Xenogamie
eine künstlerische Befruchtung

Xenogamie – Ausstellung der Künstler Sergej Sologub (Maler) und Lars Laion (Fotograf)


1435 schrieb der italienische Gelehrte Leonbattista Alberti ein Buch über die Malerei, das die Grundlagen für die naturalistische Kunst der nächsten Jahrhunderte legte. Alberti beschrieb darin den Blick auf ein Gemälde wie durch ein Fenster. Jenseits des Rahmens öffnete sich eine neue, von Licht erfüllte, durch Fluchtpunkte und -linien geordnete Welt. Es galt als Kompliment an den Maler, wenn man meinte, in das Bild hineinfassen zu können.
Wir wissen, dass die Maler des so genannten goldenen Zeitalters in den Niederlanden schon die Camera Obscura, einen Vorläufer der Fotografie verwendeten.

Die Beziehung zwischen Fotografie und Malerei ist seit dem Auftreten der ersten Daguerreotypien tatsächlich eine Beziehung wechselseitiger Befruchtung, eben, wie der Ausstellungstitel suggeriert, eine Xenogamie.

So sattelten viele Grafiker und Maler zum Lichtbildner um. Der Fotograf Nadar wurde so zum Chronisten seiner Bohèmefreunde, die dann wiederum 1874 in seinem Atelier die erste impressionistische Ausstellung veranstalteten. Licht war der gemeinsame Nenner – denn erst durch den Dialog mit der Fotografie zog das Interesse am scheinbar Immateriellen, am Festhalten des durch Licht verklärten Momentes in die Malerei ein.
Erstaunlich viele Künstler betätigten sich nun auch als Fotografen: so der Realist Gustave Courbet, aber auch sein deutscher Schüler Wilhelm Leibl, dessen detaillierten Gemälde in mancher Hinsicht technische Ähnlichkeiten zu den Arbeiten Sologubs aufweisen. Neben Doppelbegabungen wie Man Ray gibt es aber auch die häufige Konstellation der Paarbeziehung Maler und Fotograf, so z.B. bei Giorgia o’Keefe und Alfred Stieglitz oder auch bei Picasso und Dora Maar. Der Dialog hat also eine lange Tradition. 

Der in Moskau an einer Filmhochschule ausgebildete Maler Sergej Sologub war unter anderem als Szenenbildner und Art Director tätig, bevor er 1991 nach Deutschland kam und als freischaffender Maler arbeitete. Oft wirken seine abgebildeten Gebäude wie Bühnenarchitekturen, hinter denen sich eine zweite oder dritte Welt verbirgt. Meist erscheinen sie menschenleer. Sologub verwendet als Hilfsmittel einen Computer, eine Praxis gerade auch jüngerer Künstler. Der Computer ist hier in jedem Fall reines Mittel zum Zweck, eine Etappe auf dem Weg zum künstlerischen Ziel wie die Skizze oder die Vorstudie.
Ohne fotografische Hilfsmittel wären zum Beispiel die hier gezeigten monumentalen Wellenbilder technisch nicht machbar, denn es gibt kein ungeduldigeres Modell als das Meer.
Lars Henning Schröder – alias Lars Laion - besuchte in Rheinbach die Glasfachschule im Bereich Grafikdesign. Später entschied er sich, autodidaktisch in das Berufsleben als Foto- und Kameraassistent einzusteigen. Nach einem Umweg über das Filmgeschäft, wo er unter anderem als Tonassistent arbeitete, begann er wieder fotografisch zu arbeiten. Durch das Filmgeschäft entstand eine Reihe oft skurriler Porträts von Schauspielern und Größen der Branche und seit einiger Zeit ist er im Bereich der filmischen Inszenierung tätig.
Vielleicht aus diesem Grund fallen auch die Fotoporträts Lars Laions durch einen hohen Grad an Inszenierung auf, sowie eine kontrastreiche Beleuchtung, die für extrem scharfe Konturen sorgt und hilft, die im Bild versteckte Pointe zu lancieren

Beiden Künstlern merkt man die Herkunft aus dem Set Design an, da die Motive oft arrangiert wirken – wie in den Posen der Aktdarstellungen – aber auch, da die Hintergründe manchmal Kulissencharakter haben. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied – der Fotograf in dieser Schau ist hier oft im Telemodus tätig, er kommt mit der Kamera seinen Motiven nah. Der Maler hingegen hat sich für einen Platz hinter der Staffelei entschieden und blickt etwas nüchterner und distanzierter auf das, was man so Wirklichkeit nennt.
Aus dieser Gegenbewegung ergibt sich so etwas wie eine träumerische abstrakt-visionäre Fotokunst im Kontrast zu einer hyperrealistischen, detailbesessenen Malerei. Beide Künstler stellen ihre Gattungen von den Füßen auf den Kopf.

Weitere Informationen unter:

Sergej Sologub: www.sologubart.de

Lars Laion: www.larslaion.com

Ferdinand Schwartz: www.facebook.com/ferdinand.schwartz.923 / www.instagram.com/ferdinandschwartz